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The Style

Seit Jahrzehnten ist die Nachbildung historischer Instrumente grundlegendes Handwerkszeug für das Studieren, Erforschen und die Interpretation Alter Musik.

Aus unserer Erfahrung und dem täglichen Umgang mit kastilischen Barockorgeln heraus wollen wir eine Modell-Orgel vorstellen, die sich streng stilgetreu an den von unseren Vorfahren in den Dörfern von Kastilien erbauten Instrumenten orientiert, aber überschaubar in ihren Dimensionen und typisch in ihren Besonderheiten ist.

Von Anfang an haben wir in unserer Werkstatt in Tordesillas das Projekt Clarín entwickelt mit dem Ziel, ein passendes Instrument vor allem für die Interpretation spanischer Orgelliteratur dort zu schaffen, wo bislang kein Instrument dieses Stils verfügbar ist.


Geschichlicher Abriss

Am Herzen von Kastilien prägte sich im 18. Jahrhundert ein Orgelstil aus, der auf die Wünsche der Organisten vorheriger Jahrhunderte antwortete und technische Fortschritte und Verbesserungen implizierte, flankiert vom damaligen Gusto, dessen grundlegende Wesenszüge sich bis weit in das 19. Jahrhundert hinein bewahrt haben.

Clarín
Stops in the Salamanca Cathedral Organ

Die Handwerksfamilien legten das Fundament und perfektionierten ihren eigenen Stil bei Bewahrung grundlegender Gemeinsamkeiten in den Orgeln dieser Zeit: die geteilte Traktur und die horizontalen Zungen. Besonders in den kleinen kastilischen Dörfern entwickelte sich im 18. Jahrhundert ein Profil, das sich über den ganzen geografischen Einflussraum der spanischen Krone erstreckte, und dessen hervorstechender Charakterzug, nämlich das horizontale Zungen-Werk, ist heute weltweit bekannt und eingeführt.

Eine dieser kastilischen Orgelbauerfamilien mit Namen Ortega arbeitete während des gesamten 18. Jahrhunderts und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und begegnet von 1690 bis 1840 in den Orgelbauern Perez Molero, Francisco Ortega, Juan de Inés y Ortega, Leandro Garcimartín de Inés.

Unsere Werkstatt mit Sitz in Tordesillas ist besonders vertraut mit der Restaurierung historischer Orgeln sowohl in Kastilien als auch in anderen Regionen Spaniens. Für uns lassen sich die charakteristischen Baumerkmale der kastilischen Orgeln nicht allein auf deren Disposition oder Nomenklatur reduzieren, sondern sie zeigen sich vor allem in der angewendeten Technik, den verwendeten Materialien, der Anlage der Mechanik, in den Mensuren, der Legierung und Bauweise der Pfeifen, in der Windversorgung, der Ästhetik des Gehäuses und insbesondere in den unverwechselbaren Klangfarben, die es uns ermöglichen, ein Tiento von Correa de Arauxo authentisch wiederzugeben.

Die kleine Orgel der Pfarrkiche von Marugán wurde von Juan de Inés y Ortega erbaut, in seinem und für sein Dorf, dank einer Aktion “Spenden der Nachbarn”..

Man kann sagen, dass es sich um einen eigenständigen Instrumenten-Typ handelt, entsprechend sparsam und konzentriert ausgestattet, in Analogie zum Charakter der Landschaft und der Bauzeit. Dennoch verfügt er über alle Bestandteile, die eine Orgel dieses Stils haben muss.

Die solide Bauweise, so wie es unsere Vorfahren bereits für richtig hielten, und die Palette sämtlicher damals bereits verfügbarer Registerfarben präsentiert eine Synthese der kastilischen Orgel in auf das Wesentliche konzentriertem Stil.

Obwohl diese Orgeln einen sehr individuellen Charakter haben, sehen wir sie als grundlegende und vollständige Beispiele an, um die gesamte klassische spanische Orgelliteratur authentisch zu studieren, zu interpretieren und lebendig werden zu lassen.

Auch wenn wir weder die geheimnisvolle Akustik einiger kastilischer Kirchenräume noch das Ureigene dieser Orgeln in andere Zusammenhänge transportieren können, so versuchen wir dennoch, deren Geist authentisch auszudrücken durch technische Akribie und Qualität, durch Wärme und Sensibilität.

Projekt Clarin ist ein Vorschlag unserer Werkstatt, ein geeignetes Instrument sparsamer Größe für das Studium und die Interpretation spanischer Orgelliteratur in denjenigen Bereichen zur Verfügung zu stellen, wo man kein Instrument dieses Stils hat. Wir sind davon überzeugt, dass dieses Modell mit seinen charakteristischen Baumerkmalen, seinen Maßen ebenso wie den Kosten und Bedingungen bestmöglich geeignet ist, dieses Ziel zu erreichen.

Correa de Arauxo
Facultad Orgánica, Francisco Correa de Arauxo, 1626.)