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Konstruktion_ Arbeitsphilosophie und – Techniken

Das Befassen mit der Esthetik, die kulturelle Entwicklung eines Landes oder einer Region, seine musikalischen Bräuche und der technische Entwicklungsstand dieser Epoche geben uns einen Anhaltspunkt uns an den Charakter des kleinen barocken Instrumentes von Juan de Inés anzunähern.

Die Realisation einer Nachkonstruktion nach streng historischem Vorbild im 21. Jahrhundert setzt ohne Zweifel eine radikale Einstellung, grossen Respekt und Sensibilität in Bezug auf Kenntnisse und Anwendung traditioneller Arbeitstechniken und Verwendung von traditionellen Materialien voraus, wobei man die Entwicklung neuer technischer Errungenschaften und musikalischre Entwicklungen bewusst beiseite stellen muss.
Wir sind uns aber auch bewusst, dass nur allein die Anwendung dieser alten Arbeitstechniken uns nicht das wahre Konzept und die Seele dieser kastillischen Barockinstrumente offenbaren und dass uns die heutigen zur Verfügung stehenden modernen Technologien zusätzlich Mühe bereitet von diesen ´´primitiven ´´ Techniken Gebrauch zu machen.

Das Gehäuse

Das Gehäuse wurde nach originalem Vorbild mit seinen identischen Masseinheiten rekonstruiert. Das dafür verwendete Holz ist Kiefernholz erster Qualität, das aus der kastillischen Region Soria kommt.
So wurden auch die Dekoration, Schnitzereien und Profilleisten ebenfalls treu nach historischem Vorbild und mit der selben Holzart reproduziert, um die visuelle Esthetik des Originals zu respektieren und zu imitieren.

Konstruktion und Dekoration des Gehäuses

Für die Farbfassung und Vergoldung entschied man sich für eine Nachahmung einer Dekoration wie sie Mitte des 18. Jahrhunderts üblich war; die Flächen mit Farben marmoriert und Schnitzereien als auch Profilleisten vergoldet, anstatt die vorgefundene Farbfassung zu imitieren, die nicht mehr dem Original entspricht.
Die Farbdekoration wurde ebenfalls nach altem Vorbild und traditionellem Arbeitsverfahren realisiert; Temperafarben gebunden mit Heissleim in Grün-, Blau- und Rot –Tönen, hergestellt aus natürlichen Erdfarben. Die Vergoldung der Schnitzereien und Profilleisten auf Gips und Bolusbasis, zum Schluss wurde die ganze bearbeitete Oberfläche mit einem Lack nach altem Rezept veredelt und versiegelt.

Das Instrument

Die technische Einfachheit schliesst nicht seine Feinheit und Präzision in Bezug auf seine Konstruktion und Spielmöglichkeiten aus.
Die Windlade,‚das Herz der Orgel‘ , wurde ebenfalls nach originalem Vorbild kastillischer Orgeln aus dieser Zeit rekonstruiert, da sie immer noch nach 250 Jahren ein hervorragendes Resultat vorweisen können. Es handelt sich um eine Schleiflade aus gut getrocknetem Kiefernholz erster Qualität mit Schleifen aus Nussbaum, eine Eigenart die wir in den besten Orgelbauwerkstätten dieser Epoche vorfinden.

Arca de viento, correderas y ventanas valvulas
Windkasten, Schleifen und Ventilöffnungen

Die Windlade hat eine chromatische Pfeifenaufstellung und alle Register sind nach spanischer Art des 18. Jahrhunderts geteilt. Die Kanäle in den für Spanien typischen Verführungsstöcken verteilen den Wind in die Fassadenpfeifen, die einer eigenen visuellen Anordnung folgen.

Detalles tablones acanalados
Teilansicht eines Verführunsstockes

Auch die Basspfeifen des Gedecktregisters stehen auf einem Verführunsstock und das mehrreihige Kornettregister ist nach spanischer Art mit Einzelkondukten hochgebänkt.
Diese spanischen Verführunsstöcke sind ebenfalls aus erstklassigem, gut getrocknetem Kiefernhoz konstruiert und die vertieften Kanäl,e die auf beiden Seiten verlaufen sind nach alter kastillischerTradition mit weissem Schafleder erster Qualität und natürlicher Gerbung mit dem Namen ´Baldrés ´ abgedichtet und mit Warmleim auf das Holz aufgeleimt.


Die Spielmechanik des Manuals ist einfach und direkt mit einem Wellenbrett.
Die Registerwellen, – Züg und – Knöpfe sind aus Holz mit gschmiedeten Eisenärmchen
Alle Orgelteile wurden nach altem Vorbild und mit den selben Materialien rekonstruiert, mit Ausnahme weniger technischer Einzelheiten, aus praktischen Sicherheitsgründe, wie hangearbeitete Eisennägel um die Stöcke und die Schleifen zu fixieren , zu regulieren und zu dichten.

Detalle de forjado, mecánica de notas y de registros
Teilansicht der Schmiedearbeit, Registermechanik und Register

Die Tasten der Klaviatur haben für die Untertöne Knochenbeläge und die Obertöne Grenadillholz. Die Tastenarme sind aus gut getrocknetem Kiefernholz.
Die Masseinheiten der Klaviatur entsprechen keinem Standardmass dieser Epoche, die nicht existierte, obwohl das Oktavmass sehr regelmässig war.

Detalle del teclado
Teilansicht der Klaviatur

Die Tastenarme sind sehr kurz und die Aufhängung ist immer so nah wie möglich an den Tastenbelägen um eine leichte, subtile und präzise Spieltraktur zu erzielen.

Die Spielkonsole mit Notenbrett ist sehr knapp bemessen, wie das der Brauch der kleinen iberischen Orgeln ist, die ihre Anpassung etwas kompliziert macht.


Das Kapitel über die Pfeifen ist das umfangreichste was die Prinzipien und die Fertigung anbetrifft.
Obwohl Juan de Inés in grosser Einfachheit lebte, hat er doch immer auf Qualität in der Arbeit und traditionelle Werte geachtet.
Alle Pfeifen sind aus einer 50 %- tigen Legierung gearbeitet mit dicken Wandungen und einer soliden Bauart.
Das Prinzip einer einheitlichen Mensur , ist entsprechend für alle Labialregister.

Detalle de tubería
Teilansicht der Pfeifen

Bei der Rekonstruktion wurden alle Teile möglichst originalgetreu nachgebaut.
Das Metall wurde auf Stoff gegossen und mit dem Hobel, wie es in Kastillien üblich war, in Querrichtung handabgezogen.

Fundición de las planchas de metal, labrado y construcción de tubería
Metallgiessen, Bearbeitung und Pfeifenbau

Die Pfeifenkerne sind aus Blei mit einer konstanten Kernfase für alle Register. Die horizontalen Zungenpfeifen des Prospektes sind in einer ‚W ‚- Form angeordnet und haben aufgeworfene Becher.
Die Zungenkehlen haben wie dies in der kastillischen Schule verbreitet ist aufgelötete Kappenenden.


Die drei rekonstruierten Keilbälge, wurden getreu dem historischen Beispiel mit dem in Kastillien üblichen Masses von einer Ellenlänge ( in Kastillien 83,6 cm ) auf 2 Ellenlängen und 6 Falten nachgebaut. Die Keilbälge werden wie in der Barockzeit mit Wippenbalken von Hand aufgezogen; die Balgplatten und die Falten sind auch aus Kiefernholz und mit weissem Schafleder (‚Bandres‘) gearbeitet.

Detalle construcción de fuelles de cuña
Einblick in den Arbeitsprozess der Konstruktion der Keilbälge

Und schlussendlich nachdem alle Teile der Orgel fertiggestellt sind, bekommt sie mit der Intonation und Stimmung ihren Klangcharakter und musikalische Seele als letzten Schritt der Vollendung. Wir haben versucht uns möglichst detaillgetreu an das historische Vorbild zu halten, um den autenthischen Klang in den einzelnen Registern wie auch im Zusammenspiel zu reproduzieren.

Die Tonhöhe befindet sich mit 21 ª Celsius bei 415 Hertz, obwohl das Original noch etwas tiefer liegt.
Der Winddruck wurde auf 60 mm festgelegt.
Alle Pfeifen wurden mit Ausnahme einiger wenige mit offenen Füssen intoniert.

El temperamento es el mesotónico clásico que es el utilizado en Castilla hasta muy entrado el siglo XIX.
Die Holzpfeifen des Trommelspiels die auf D und A gestimmt sind, können auch als Pedaltöne im Bass eingesetzt werden.
Das Klangvolumen scheint uns geeignet für unterschiedliche akustische Räumlichkeiten und die baulichen wie auch klanglichen Proportionen der Orgel erlauben es sie an verschiednen Orten zu plazieren.

Diagrama de intervalos, Francisco de Salinas (1577)
Stimmungsdiagramm von Francisco de Salinas ( 1557 )